Kognitive Dissonanz- ich will deine Wahrheit nicht

Kognitive Dissonanz- ich will deine Wahrheit nicht

Hallo ihr Lieben,

ich glaube das Phänomen von dem ich euch heute erzählen will hat jeder schon einmal beobachtet oder auch sich selbst so verhalten. Vielleicht habt ihr aber nicht gewusst, dass es sogar einen wissenschaftlichen Ausdruck dafür gibt.

Was ist kognitive Dissonanz

Ich starte mit einem Beispiel (Achtung fiktiv, ich möchte nicht implizieren, dass joggen schlecht ist):

Ich bin leidenschaftlicher Jogger und glaube fest daran, dass ich meine Figur damit formen kann und dass meiner Gesundheit gut tut. Außerdem bin ich der Überzeugung, dass joggen früh am Morgen noch vor dem Frühstück am besten ist. Ich stelle mir also jeden früh 5 Uhr den Wecker schlüpfe in die Laufsachen und renne bei Wind und Wetter 10km durch den Park.

Eines schönen Tages sehe ich eine Dokumentation im Fernsehen. Laut dieser ist joggen schlecht fürs Herz, Körper formen geht nur mit Hanteln und dass es vorm Frühstück mehr bringt, als danach ist sowieso ein Mythos.

Die neue Information ist jetzt komplett verschieden zu meiner Überzeugung von vorher und das nennt man kognitive Dissonanz. Kognitive Dissonanz ist unangenehm und verlangt nach einer Auflösung. Wir müssen irgendwie unser Weltbild/unsere inneren Überzeugungen mit der neuen Information überein bringen.

Und jetzt?

Jetzt habe ich zwei Möglichkeiten:

  1. Ich glaube die Information aus dem Fernsehen. Das bedeutet die Überzeugung der letzten 3 Jahre war falsch. Jedes frühe Aufstehen, jede Runde im Park und jedes Hecheln nach 10 km vollkommen nutzlos. Ich steh wieder an Punkt 0 und fang von vorn an, dieses Mal mit Krafttraining.
  2. Ich werte die Information aus dem Fernsehen ab. Die Leute dort sind nicht kompetent. Sehen nicht vertrauenserweckend aus etc.

Hand aufs Herz: was würdet ihr tun? Jeder der jetzt ohne zu zögern sagt, die neue Information glauben, mein Leben über den Haufen werfen und neu anfangen, hat wohl ein ziemlich aufregendes Leben…

Die meisten Leute würden so lange an der alten Verhaltensweise festhalten, bis sie nicht mehr anders können, als an die neue Verhaltensweise zu glauben oder bis sie einen Grund gefunden haben, warum die alte Verhaltensweise sinnvoll war, aber jetzt nicht mehr ist.

Kognitive Dissonanz ist nützlich

Kognitive Dissonanz ist durchaus nützlich, denn ohne sie würden wir niemals Einstellungen hinterfragen und würden uns niemals weiter wickeln. Gleichzeitig dürfen wir nicht, jede neue Information direkt als bare Münze hinnehmen.

Stellt euch vor, ihr würdet sofort jede Information glauben, die eine augenscheinlich kompetentere Person von sich gibt. Ihr müsstet jeden Tag eure ganzen Überzeugungen neu sortieren. Sicher kennt ihr Menschen, die Fernsehen schauen oder Klatschzeitschriften lesen und dann alles glauben. Eine Woche keine Milch, dann kein Weizen, dann kein Fleisch etc. Das ist anstrengend und wenig zielführend.

Bis zu einem gewissen Grad macht es also Sinn neue Informationen zu hinterfragen, ist die Quelle wirklich vertrauenswürdig? Macht die Information Sinn? Habe ich nach der Information gefragt oder gesucht (ungefragt wird einem oft mehr Müll aufgedrückt). Aber wenn alle diese Fragen positiv beantwortet sind, sollte ich die Info nicht einfach abwerten, sondern ernsthaft darüber nachdenken.

Fazit

Zusammengefasst erklärt kognitive Dissonanz, warum Personen sich oft so schwer tun, neue Erkenntnisse zu glauben:

  • Wer jahrelang auf Eier verzichtet, wegen dem bösen Cholesterin, möchte nicht hören, dass Eier nicht auf den Cholesterinspiegel wirken
  • Wer jahrelang Low Carb isst, möchte nicht hören, dass allein ein Defizit zählt und Low Carb nicht reicht
  • Wer jahrelang keine Milch trinkt, weil sie angeblich ungesund ist, möchte nicht hören, dass sie so gesund ist, wie kaum ein anderes Nahrungsmittel

Etc. Die Schmerzen eine Sicht aufzugeben und einzugestehen falsch gelegen zu haben, sind viel höher, als die neue Information als Schwachsinn abzustempeln.

Die Lösung ist jetzt nicht über das Verhalten aus jetziger Sicht nachzudenken und das ist eine Lösung, die man bei vielen Dingen anwenden sollte:

Zu dem Zeitpunkt, als du beschlossen hast keine Milch zu trinken, Low Carb zu essen, kein Fleisch zu essen etc., welche Informationen lagen dir vor?

Haben diese Informationen dafür gesprochen so zu handeln?

Wenn ja, hast du alles richtig gemacht, auch wenn du es jetzt besser weißt!

Zu diesem Zeitpunkt war es die bessere Wahl

„Zu diesem Zeitpunkt war das die beste und richtigste Wahl!“ (oder im Nachhinein ist man immer klüger).

Verinnerlicht euch das. Versucht nicht euer Verhalten jetzt zu rechtfertigen, sondern sagt: damals war es die beste Entscheidung, heute ist es das nicht, fertig. Seht die Dinge nicht als Verlust, sondern als Erfahrung und jede Erfahrung ist sinnvoll.

Um nochmal auf mein Joggerbeispiel zu kommen: Ich beschließe also, die Quelle ist vertrauenswürdig und Joggen schlecht. Aber ich habe, als ich angefangen habe zu joggen, nur die Info gehabt, dass joggen gesund ist. Ich habe mich also nicht falsch entschieden. Ich habe mich oft gut und stolz gefühlt und gelernt diszipliniert früh aufzustehen. Ich hatte viel frische Luft, habe vielleicht andere Jogger getroffen.

All diese positiven Verhaltensweisen nehme ich jetzt mit zum Krafttraining. Ich gehe gleich früh, ich weiß, dass ich mich glücklich und stolz fühlen werde und vielleicht hat eine Bekannte vom Joggen auch Lust mit ins Studio zu gehen. Ganz nutzlos war es ja auch nicht, weil ich trotzdem Kalorien verbrannt habe und dadurch mein Gewicht weitgehend halten konnte.

Wenn ihr also mal wieder Leute trefft, die sich völlig uneinsichtig verhalten, überlegt, ob es vielleicht ihr Weltbild ins Rütteln bringen würde, wenn sie euch glauben. Und wenn es so ist, überlegt wie ihr die Information verpacken könnt, um den Personen zu helfen anstatt beleidigt zu sein, dass sie euch nicht glaubenJ (da fallen mir z.B. ein Leute die an einen langsamen/eingeschlafenen Stoffwechsel glauben und sich darauf rausreden, dass sie nicht mehr abnehmen).

Eure Claudi

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