Inhibition- warum wir den Gelüsten auf Süßkram immer abends nicht widerstehen können.

Hallo ihr Lieben,

(Mir fällt gerade auf, dass alle möglichen anderen Blogger, jetzt sicher eine mega reißerische Überschrift oder was ganz Kreatives geschrieben hätten. Aber ganz ehrlich: ich war noch nie besonders kreativ bei sowas. Vielleicht fällt euch was ein?)

Habt ihr euch auch manchmal gefragt, wieso ihr es schafft, den ganzen Tag auf Süßigkeiten zu verzichten, nur um dann abends 2 Packungen Chips und drei Schokoladen reinzuhauen. Oder warum ihr es einfach nicht schafft abends nach der Arbeit noch ins Studio zu gehen, obwohl ihr den ganzen Tag nur rumgegessen habt und euer Körper eigentlich nach Bewegung schreien sollte?

Es gibt eine Möglichkeit das zu erklären (eine von mehreren, als Psychologe sagt man nie: das ist der Grund und basta …) und die heißt Inhibition.


Was ist Inhibition?

Inhibition bezeichnet kurz die Hemmung eines Verhaltensimpulses.

Das bedeutet euer Verhaltensimpuls ist: „Schokolade essen“, ihr seid aber gerade dabei abzunehmen und hemmt dieses Verhalten aktiv, indem ihr etwas anderes esst oder nichts oder ein Glas Wasser trinkt etc. (Tipps gibt’s genug). Anderes Beispiel: Euer Körper sagt: Ich will mich hinlegen und gammeln, ihr wart aber noch nicht beim Sport und müsst jetzt den Impuls nach Faulheit aktiv unterdrücken.

Inhibition beschreibt also letztlich immer eine aktive Entscheidung GEGEN den plötzlichen inneren Wunsch eures Körpers oder Kopfes etwas zu tun, aber auch etwas zu denken.

Ein Beispiel für etwas zu denken, wäre zum Beispiel: Eure Kollegin kritisiert euch, automatisch denkt ihr „dumme Kuh, die kann mich nicht leiden“, aber weil ihr wisst, dass sie z.B. schlecht geschlafen hat, unterdrückt ihr den Gedanken und denkt etwas Positiveres von ihr.


Was ist das Problem dabei?

Das Problem ist jetzt, dass diese Inhibitionen Energie benötigen. Mal eben den Wunsch des Körpers ignorieren und etwas anderes tun, ist anstrengend. Es erfordert Ressourcen, die man haben muss (und die man weniger hat, je mehr andere Dinge im Kopf sind oder wenn man zum Beispiel Stress hat. Eine Diät unter Stress oder ungelösten Problemen z.B. ist zum Scheitern verurteilt, weil man keine Ressourcen für Inhibitionen hat).

Das nächste Problem ist, dass ihr nicht unbegrenzt Energie am Tag zur Verfügung habt. Das ist natürlich von Person zu Person verschieden. Aber je mehr Inhibitionen ihr an einem Tag machen müsst, desto weniger Energie habt ihr, um noch mehr Entscheidungen gegen etwas zu treffen. Irgendwann ist selbst die beherrschteste Person am Ende ihrer Kräfte und nicht mehr in der Lage ihr Verhalten zu hemmen. Das ist der Punkt, an dem sie auf dem Sofa landet mit Chips und Bier (oder so). Und das erklärt auch, wieso es teilweise Personen mit Bürojobs, die den ganzen Tag sitzen, schwerer fällt noch ins Studio zu gehen, als Personen mit körperlich anstrengenden Jobs. Denn in einem Bürojob muss man oft Entscheidungen treffen (ich sage nicht, dass körperlich anstrengende Jobs niemals verantwortungsvolle Entscheidungen verlangen, aber es ist meistens nicht die Haupttätigkeit).


und jetzt?

Was also tun?

Das klingt ja alles ziemlich aussichtslos oder? Wir werden es kaum schaffen, niemals Entscheidungen zu treffen und wir werden auch unserem Körper unerwünschte Impulse nicht abgewöhnen können.

Aber wir können uns trotzdem unterstützen. Jede Entscheidung, die weg fällt und jede Routine, die wir etablieren hilft und das geht mit etwas Planung und etwas Selbsterkenntnis. Ganz klare Sachen, die helfen sind:

  • Abends die Sachen rauslegen, die man am nächsten Morgen anziehen wird
  • Essen planen und Vorkochen
  • Sport Sachen mit auf Arbeit nehmen und gar nicht erst nach Hause gehen (Mein Freund hat am Anfang seiner Sportkarriere eine wirklich gute Taktik gehabt. Er ist immer bevor er auf Arbeit gegangen ist, ins Studio gefahren und hat dort seine Sporttasche eingeschlossen, so war er gezwungen auf dem Rückweg nochmal hinzugehen und wenn er schon da war, konnte er auch was machen)
  • Snacks vorbereitet im Kühlschrank haben (z.B. Overnight Oats oder bereits geschnittenes Obst oder Gemüse)
  • Jeden Tag zur selben Uhrzeit aufstehen und Frühsport machen (Matte schon rausgelegt), gar keine Zeit lassen, dass zu hinterfragen (kein Snooze;))

Dann gibt es aber auch Dinge, die vielleicht weniger offensichtlich sind und die erfordern sich selbst zu hinterfragen:

  • Wie oft passiert die Situation, die ich oben beschrieben habe: Jemand kritisiert euch und der erste Impuls ist, zu denken, dieser jemand mag euch nicht? Wenn das sehr oft passiert, werdet ihr ständig mit Inhibitionsleistungen konfrontiert werden und es ist an der Zeit seinen Umgang mit und seine Annahmen über Mitmenschen zu überprüfen.

Ich will da auch ehrlich sein. Ich selbst habe viele soziale Ängste und leide stark unter der Angst vor Ablehnung. Ein Tag unter Menschen ist für mich so erschöpfend wie 10 Stunden Prüfung und deshalb wäre es für mich unmöglich nach der Arbeit ein normales Training durchzuziehen. Da ich das aber weiß, gehe ich früh.

  • Passiert es euch oft, dass Freunde oder Verwandte euch zum Kaffee treffen wollen oder eure Hilfe brauchen und ihr habt den Impuls, das nicht zu tun (aus welchen Gründen auch immer), fühlt euch aber gleichzeitig verpflichtet?

Es spricht oftmals viel dafür sein Umfeld zu hinterfragen und zu schauen, ob die Leute mit denen ich mich umgebe, mir noch gut tun. Wenn die Antwort nicht klar „Ja“ ist, dann ist es auch an der Zeit an diesen Beziehungen zu arbeiten oder sie im schlimmsten Fall zu beenden.

  • Wacht ihr jeden früh auf und hasst den Gedanken auf Arbeit zu müssen? Klärt das! Ist es der Chef, sind es die Kollegen oder macht mich die Arbeit an sich nicht glücklich. Für alle diese Probleme gibt es Lösungen, aber man muss bereit sein, die Probleme zu erkennen und sie einzugestehen.

Kleines fiktives Beispiel: Ich bin mit meinem Job mega unzufrieden, weil ich keine positive Rückmeldung bekomme. Der Chef ist nie erreichbar und wenn er doch mal da ist, muss alles sofort passieren und das ist dann ganz klar, dass man Zeit dafür hat, Lob gibt’s nicht. Angenommen ich kann auch nicht einfach meine Arbeit wechseln, weil es eben nichts gibt. Dann brauche ich eine Beschäftigung, die mir das Gefühl gibt wertvoll zu sein und geschätzt zu sein. Ich kann mir ein Hobby suchen oder mich ehrenamtlich engagieren (vor allem im Ehrenamt werden die Leute sehr dankbar sein.) Möglichkeiten für ein Ehrenamt gibt es viele: Hospiz, alte Leute im Krankenhaus besuchen, mit alten Menschen einkaufen oder einfach nur Zeitverbringen. Hausaufgabenbetreuung, Obdachlosenwohnheime etc. Du musst dort auch nicht deine halbe Woche verbringen, die meisten Vereine sind schon über kleine Hilfen sehr dankbar.


Was heißt das jetzt?

Zusammenfassend ist zu sagen, dass wir sowohl offensichtlich, als auch verdeckt den ganzen Tag Situationen ausgesetzt sind, die Inhibitionen benötigen. Deswegen fällt es uns abends so schwer unser Verhalten noch irgendwie zu steuern. Wir haben einfach keine Ressourcen mehr.

Ein Geheimrezept gibt es nicht, aber wir können Routinen und Umgebungen schaffen, die unerwünschte Handlungsimpulse erst gar nicht aufgenommen lassen. Das ist auch der Trick vieler Personen, die sehr erfolgreich sind in dem was sie tun. Sie haben so umfangreiche Routinen, dass sie ihre Handlungen gar nicht mehr hinterfragen. Sie tun einfach. Natürlich gibt es auch für diese Personen Situationen bei denen sie Entscheidungen gegen etwas treffen müssen. Aber diese haben dann nichts mit Sport und Essen zu tun, sondern vielleicht mit der Steuererklärung oder dem Hausputz (Irgendwas gibt es immer, dass nicht planbar ist…wäre auch ein ziemliche langweiliges Leben sonst).

Ich hoffe einige dieser Informationen haben euch die Augen etwas geöffnet und wünsche euch ganz viel Erfolg beim UmsetzenJ

Claudia

 

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