36 Stunden Fasten- Meine Erfahrungen

36 Stunden Fasten- Meine Erfahrungen

Angeregt von Coach Burak und Frühlingszwiebel habe ich beschlossen den Fasten Test zu machen. Vorweg muss ich zugeben, dass ich niemals geglaubt hätte, ich würde das durchstehen. Ich war immer jemand, der überzeugt war, dass ich schon ohne Frühstück nichts auf die Reihe bekomme und nahezu sterben werde. Ich habe passend dazu auch meinen ersten Fastenversuch schon mittags abgebrochen, weil der Hunger schier unerträglich war.

Was hat mich dazu bewogen, es nochmal zu versuchen? Der Grund ist ein bisschen unfreiwillig: Die Operation am 08.01 aufgrund von Endometriose Verdacht. Ich musste hier bis zur Operation um 10Uhr morgens nüchtern bleiben und danach durfte ich das erste Mal 18 Uhr etwas essen. Und ja es war eine lange Phase ohne Bewusstsein dazwischen, aber das hat mir gezeigt, dass ich es überlebe.^^ Also habe ich beschlossen es nochmal zu versuchen.

 


Warum Fasten?

Zum einen ist es eine prima Möglichkeit Kalorien einzusparen ohne jeden Tag weniger essen zu müssen, zum anderen soll es sehr gesund sein. Schaut euch dazu das Video von Coach Burak an und lest vor allem diesen Artikel zur Autophagie. Kurz es sterben angeblich ungesunde Zellen ab und neue gesunde Zellen können gebildet werden. Ich habe das Ganze als Selbstversuch betrachtet und nicht um abzunehmen. Obwohl es durchaus Sinn macht, wenn man Körperfett verlieren will, statt jeden Tag nur 1400kcal zu essen 2 mal die Woche zu fasten und an den anderen Tagen entsprechend mehr zu essen.


Wie sieht ein Tag aus, was darf ich noch essen?

Nichts ist die einfache Antwort es heißt ja Fasten. Ok, wir gehen mal davon aus, dass wir gern Autophagie auslösen würden. Eiweiß und Kohlenhydrate (daher Insulinanstieg) hemmen die Autophagie. Ich darf also alle zu mir nehmen, was keine Reaktion des Insulinspiegels nach sich zieht. Sprich Kräutertee, schwarzen und grünen Tee, schwarzen Kaffee. Auch künstliche Süßstoffe sind kein Problem. Milch geht nicht, auch keine Obstsäfte oder Buttermilch. Als Richtlinie kann man sagen, bis 50kcal am Tag sind in Ordnung (und nein ich habe keine 0 vergessen).


Der Tag davor

Im Grunde ist der Tag davor ein Tag wie jeder andere auch. Aaaber. Irgendwie hat man doch das Gefühl mehr essen zu können. Mit dem Bewusstsein, dass man am nächsten Tag gar nichts essen wird, fängt man hier und da an, ein bisschen zu naschen oder das Abendbrot etwas ausführlicher zu gestalten, als man vielleicht gewollt hat. Grundsätzlich ist das nicht schlimm, man sollte es aber auch nicht übertreiben sonst bringt der Fastentag am Ende überhaupt nichts.

Ich habe als letzte Mahlzeit eine mega ungesunde Asia Tütensuppe gegessen, dazu gab es körnigen Frischkäse, zwei Scheiben Knäckebrot und Hej Bite Spicy Ginger(das ist der einzige, den ich wirklich besonders finde). Eine spezielle Vorbereitung auf den Tag hatte ich also nicht.

Ich habe auch nicht solche Späße, wie Glaubersalz oder Darmeinlauf probiert, einfach weil ich da eine persönliche Abneigung gegen habe (wahrscheinlich ist es eh halb so schlimm, aber trotzdem^^).


Der Morgen des Fastentags

Wenn man am Morgen die Augen aufschlägt, hat man schon einen nicht zu vernachlässigten Teil hinter sich. Ich habe das letzte mal 21 Uhr etwas gegessen, bin dann 9 Uhr aufgestanden und hatte damit schon 12 Stunden geschafft. Bis dahin lief es also Spitze^^. Das erste Problem trat auf, als ich in die Küche gegangen bin, um Tee zu machen. Normalerweise, wenn ich früh die Küche betrete gibt es ja Frühstück. Der Körper fängt also direkt an vorbereitend aus Gewohnheit Insulin zu produzieren und man bekommt Hunger. Das ist aber kein echter Hunger, weil Nährstoffe fehlen, sondern schlicht Gewohnheit. Tee gemacht, Küche verlassen, Hunger weg.

Wir haben dann direkt an dem Tag (es war ein Sonntag) das ganze Programm durchgezogen: Hausputz, Meal Prep, Sport…hätte nur einkaufen gefehlt. Meal Prep war nochmal so ein Fall, bei dem es wirklich schwer fiel und der Hunger sich intensiv gemeldet hat. Das ist aber wieder dieser Insulinfall und das Wissen um die Automatismen im Körper hat mir da stark geholfen.


Der erste richtige Hunger

Das erste Mal so richtig Hunger hatte ich gegen 14 Uhr. Die Mittagszeit war also vorbei und der Hunger hat mich vollkommen unvorbereitet getroffen, denn ich hatte nicht mal Rezepte auf Instagram gesucht. Er kam also aus heiterem Himmel und ich hab mich ganz plötzlich zittrig und ein bisschen schwindelig gefühlt. Ich habe dann einen Teelöffel Salz zu mir genommen und noch mehr Tee getrunken. Außerdem sind wir direkt zum Sport gegangen. Die frische Luft, das zu Fuß gehen und die Ablenkung haben es sehr viel besser gemacht, obwohl ich immer dieses leichte Hungergefühl im Magen hatte und mich leicht schwach gefühlt habe.


Sport am Fastentag

Hier hatte ich die erstaunlichste Erfahrung überhaupt. Ich habe ja schon manchmal vor dem Frühstück Sport gemacht mit so semitollen Ergebnissen. Meistens habe ich es nicht geschafft das Programm hart durchzuziehen. Aber an diesem Fastentag war das anders. Das Training lief extrem gut. Ich hab mich fit und munter und energiegeladen gefühlt. Nichtmal Hunger hatte ich. Ich glaube ja, dass es einen extremen Unterschied macht, ob man noch erwartet Essen zu bekommen an dem Tag oder ob man eh weiß, dass nichts mehr wartet. Der Körper verhält sich dann anders. Wenn er weiß, er kann, dann sucht er auch aktiv nach Befriedigung. Wenn er weiß, er kann nicht, dann steht er dir auch nicht im Weg. Außerdem glaubt er, dass die Anstrengung beim Sport, eine Anstrengung ist, Essen zu beschaffen und da wird er erst Recht nicht im Weg stehen. Oder einfach: Ob du einem Hirsch nachjagst um zu Jagen oder auf dem Laufband stehst, kann der Körper nicht unterscheiden.


Der Abend- letztes Aufgebot

Gegen 17 Uhr fing dann bei mir die kleine Stimme im Kopf an, sich einzuschalten. „Nur eine Kleinigkeit“, flüstert sie oder „Warum tust dir das überhaupt an, wenn du jetzt was isst, war es eh weniger als du verbrauchst“. So versucht sie mich zu locken. Ich bin froh, dass Chris mitfastet und so können wir uns gemeinsam bestärken. Zu Hause ist mir unendlich kalt. Ich friere, ich habe Hunger, mir ist schwindelig…der Tee hilft nicht mehr. Ich kann mich kurz damit ablenken Trainings- und Ernährungspläne zu schreiben, aber schon eine Stunde später ist der Hunger wieder erbarmungslos da. Ich, mittlerweile in zwei Pullis gehüllt, trinke Hühnerbrühe. Das hilft…etwas…kurz. Ich bin immer noch verwundert, wie manche Menschen beim Fasten gar keinen Hunger haben. Bei mir war es wirklich an der Grenze des Unerträglichen. Zumindest in dem Moment. Mein Freund währenddessen sitzt am Computer und zockt und ist glücklich wie eh und je. Auf die Frage, ob er Hunger hat, sagt er „bisschen, geht aber“. 21.30Uhr, gebe ich den Kampf auf und gehe ins Bett.


Die Nacht und der Morgen danach

Sobald ich im Bett liege, ist der Hunger weg. Also nicht vollständig, aber doch so, dass ich glaube schlafen zu können. Tatsächlich schlafe ich in dieser Nacht sehr gut und fühle mich am nächsten Morgen wach und ausgeruht. Der Hunger am nächsten Morgen ist ein normaler Frühstückshunger also auch nicht übermächtig. Das wird erst als ich die Küche betrete und weiß, es gibt jetzt Essen. Da kann es nicht schnell genug gehen. Ich fühle mich nach meiner normalen Frühstücksportion immer noch hungrig. Und mein Freund? Isst ein-zwei Bissen und ist satt. Manchmal beneide ich ihn. Ich habe dann nur noch einen Hej Bite gegessen und dann war ich auch satt. Am nächsten Tag habe ich dann ganz normal meinen Tagesbedarf gegessen und das fiel mir überhaupt nicht schwer. Ich hatte ganz normalen Alltagshunger.


Fazit

Obwohl ich abends wirklich schlimmen Hunger hatte, habe ich es mir im Endeffekt schlimmer vorgestellt und in retrospektive würde ich das Ganze als aushaltbar bezeichnen. Ich bin ja jemand, der sehr gerne isst und ich könnte mir gut vorstellen, bei der nächsten Diät statt ständig zu verzichten, 1-2-mal die Woche einen Tag ganz auf Nahrung zu verzichten. Ich könnte mir vorstellen, dass man so Diäten viel länger aushält und sich nicht so eingeschränkt fühlt. In der Wochenbilanz verliert man aber dennoch Körperfett. Da man außerdem nur einmal dem Körper Nahrung verwehrt, setzt er nicht gleich alle Warnsysteme in Alarmbereitschaft. Ob ich langfristig einen Fastentag an Trainingstagen machen würde, finde ich aber nicht einfach zu entscheiden.  Mein Training am Sonntag war klasse, aber es war auch ein Kraftausdauertraining. Wenn ich mit schweren Gewichten Maximalkraft trainieren will, weiß ich nicht ob der Kopf da mitspielt und der Körper erst recht.

Wer mehr über alternierendes Fasten wissen möchte, schaut mal bei Coach Burak. Der hat das sogar genutzt, um sich auf die Bühne vorzubereiten und sein Training durchgezogen. Man muss also auch keine Angst vor Muskelverlust etc. haben.

Ihr habt noch Fragen? Oder wollt mir einfach mal erzählen, wie es euch ergangen ist. Schreibt mir:)

Claudi

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